„Aber die Kekse lächeln mich so an…“ – Wie man Weihnachtsleckereien widerstehen kann!
Bjarna Liv Lakämper - 6 min read - 21 Dez 2020
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Du hast das ganze Jahr lang auf deine Ernährung geachtet, hast gesund eingekauft und dein Gewicht gehalten oder abgenommen, du fühlst dich durch die gesündere Ernährung fit und voller Energie? Das ganze Jahr warst du diszipliniert und hast erste Erfolge gesehen. Mittlerweile hast du sogar ein Gespür dafür, welche Gerichte sich zum Meal-Prep eignen, wie du größtenteils gesunde Lebensmittel einkaufst und hast schon viele leckere Rezepte ausprobiert? Dann kommt der Dezember – der schönste, besinnlichste und leckerste Monat im Jahr.

In keiner anderen Jahreszeit gibt es so viele „typische“ Gerichte und Leckereien wie im Winter. Dazu zählen nicht nur die Weihnachtsgans oder Plätzchen, sondern zum Beispiel auch der Glühwein. Und warum auch nicht? Man hat das ganze Jahr gearbeitet, war vielleicht streng mit sich und hat einigen Gelüsten entsagt. Es gibt einige Gründe im Winter trotzdem auf eine gesunde Ernährung zu achten. Wie ärgerlich wäre es schließlich, sich den Dezember von einer Leckerei zur anderen zu schlemmen, nur um dann Neujahr aufzuwachen und erneut den Vorsatz zu fassen, sich an die gesunde Ernährung zu halten? Alle Errungenschaften und Gewohnheiten, die man in den letzten Monaten errungen hat, sind dann leider ganz schnell wieder weg. Oder aber ganz anders: Du hast in der Zeitung gelesen, dass unsere Ernährung einen wichtigen Part bei unserer Gesundheit spielt und informierst dich über einen gesünderen Lebensstil. Da aber der Dezember schon begonnen hat und du dir die Kekse und die Weihnachtsgans nicht entgehen lassen willst, verschiebst du das auf das neue Jahr. Ich möchte dir zeigen, dass der Dezember nicht nur eine schöne, sondern auch eine gesunde Zeit werden kann, und vielleicht beginnst du gleich heute mit einem Einkauf, bei dem schon vom bloßen Angucken der Einkaufsliste dein Blutzucker fällt.

Warum sollte man auch in der Weihnachtszeit darauf achten, sich gesund zu ernähren? Eine ausgewogene und gesunde Ernährung beugt nicht nur beispielweise einer Erkältung vor, sondern auch dem gefürchteten Jojo-Effekt oder sogar schwerwiegenden Erkrankungen, die durch einen zu hohen Blutzucker, zu hohen Cholesteringehalt im Blut oder andere metabolische Faktoren begünstigt und ausgelöst werden. Dazu zählt zum Beispiel der Diabetes Mellitus Typ 2, eine Erkrankung mit schwerwiegenden Komplikationen, die unbedingt verhindert werden sollten. Mit einer gesunden Ernährung und Genuss in Maßen kannst du präventiv etwas für deine Gesundheit tun!

Nimm dir die Zeit, in Ruhe deine Mahlzeiten zu dir zu nehmen. Wenn man sich zwei- bis dreimal am Tag die Zeit nimmt und sich bewusst dafür entscheidet, sein Essen achtsam zu genießen, dann erfährt man nicht nur einen ganz anderen Geschmack. Man tut auch was für sich selbst und seine seelische und physische Gesundheit und das mit relativ wenig Aufwand. Wenn ich mir Zeit für meine Mahlzeit nehme, sie vielleicht auch selbst vorbereite, dann weiß ich was drinsteckt: Bei einem selbst zubereiteten Salat ist frisches Gemüse verarbeitet und das Dressing ist auch nicht voller Zucker und Zusatzstoffe. Gleichzeitig komme ich dadurch zur Ruhe. Ich kann meinen Geist etwas entspannen, egal wo ich bin: am Esstisch, der gleichermaßen auch als Home-Office fungiert? Setz dich an einen anderen Platz am Tisch und klappe deinen Laptop zu. Jetzt ist Essenszeit! Wenn man in Ruhe isst, dann kaut man auch langsamer, man isst langsamer und das alles führt dazu, dass unser Sättigungsgefühl früher eintritt. Bewusstes Essen führt also dazu, dass wir automatisch weniger Essen, als wenn man „kurz zwischendurch“ zum Mittagssnack greift. Eine Mahlzeit, bei der man sich nicht ablenken lässt, kann auch eine Chance sein, Zeit mit seinen Liebsten zu verbringen. Ein gemeinsames Abendessen ohne das Handy kann gerade in der besinnlichen Zeit sehr beruhigend wirken. Und noch einen Vorteil hat eine bewusste Mahlzeit: Die Nahrungsaufnahme ist unsere Art der Energiezufuhr. Wie soll unser Körper gut und effizient arbeiten, wenn wir uns nicht mal dabei einen kurzen Moment auf uns selbst besinnen?

Nur weil der Dezember der Monat der Leckereien ist, muss es ja nicht gleich immer zur Völlerei ausarten. Genießen kann man alles in Maßen, dann hat es auch gleich mehr Bedeutung. Es wird zu etwas Besonderem, gerade wenn man neue Dinge ausprobiert: Warum nicht eigene Weihnachtstraditionen schaffen? Zunächst einmal fällt eine Ernährungsumstellung sowieso leichter, wenn man direkt den ganzen Haushalt mit ins Boot holt, zum Beispiel deinen Lebenspartner/-in. Dann könnte man zum Beispiel Winter-Obstsorten ausprobieren, die man noch nicht kennt, wie Clementinen, Grapefruits und andere Zitrusfrüchte. Auch verschiedene Kohlsorten schmecken nach dem ersten Frost erst so richtig gut! Auch für das herkömmliche Butterplätzchen-Rezept gibt es eine Alternative. Das Internet gibt so viele gesunde Keksrezepte her, da ist man direkt motiviert, eins davon auszuprobieren, zum Beispiel mit Haferflocken oder Datteln. Mit der Familie oder Freunden Kekse zu backen hat schon immer etwas ganz Besonderes an sich, und wenn es für dich zur Weihnachtszeit dazu gehört, dann solltest du auf gar keinen Fall darauf verzichten.

Den Glühwein oder Punsch kann man durch eine schöne Tasse Tee ersetzen. Warum? Beide haben einen sehr hohen Zuckergehalt, damit es auch schmeckt. Nicht nur der Alkohol, sondern auch der Zucker sind nicht gut für unseren Körper, vor allem nicht in Kombination (so wird der Alkohol besser von der Darmschleimhaut aufgenommen) und nicht in erwärmter Form. In geringen Mengen wäre das vielleicht noch einigermaßen in Ordnung, doch häufig bleibt es ja nicht bei einer Tasse. Im Punsch ist viel Fruchtsaft – hört sich erstmal gesund an. Doch die Zuckerart Fructose, die hauptsächlich für die Süße verantwortlich ist, ist für unseren Körper gar nicht so gut, wie es sich erstmal anhört. Im Gegensatz zur Glucose gibt es keinen körpereigenen Speicher für Fructose. Wenn der Zucker also von der Darmschleimhaut aufgenommen wird und über die Blutbahn zur Leber gelangt, kann der Zucker erstmal zur Energiebereitstellung genutzt werden. Im Überfluss wird Fructose aber direkt zu Fett in der Leber umgebaut. Eine Leberverfettung beeinträchtigt die normale Stoffwechselfunktion der Leber, welche ja nicht nur für den Abbau von Alkohol zuständig ist, sondern auch zur Speicherung von Energiereserven und Verwertung von anderen Nährstoffen oder Substanzen. Eine Tasse Punsch wirkt also wie eine direkte Zuckerinfusion. Und das beeinflusst nicht nur unseren Blutzuckerspiegel, der über Insulinspitzen zu Heißhunger führt, sondern auf lange Sicht auch die Gesundheit unserer Organe. Da ist eine Tasse Tee doch eine gute Alternative, die auch noch unglaublich gut schmecken kann.

In Zeiten von Corona fällt es vielleicht leichter auf die ein oder andere Leckerei in der Weihnachtszeit zu verzichten. Immerhin fallen die Weihnachtsmärkte aus, man isst nicht in Restaurants oder unterwegs. All das ist auch eine Chance dafür, Essen bewusst zu genießen. Gerichte zu kochen, bei denen man genau weiß, was die Inhaltsstoffe sind. Rezepte für Kekse auszuprobieren, die weniger Zucker haben, und trotzdem hervorragend schmecken. Zur Weihnachtszeit gehört nicht nur Schokolade und Glühwein. Nein, auch Nüsse, Orangen oder Mandarinen gehören für mich dazu. Nüsse sind eine gute Snack-Alternative: gute Fette, keinen Zucker, sättigend. Daraus lassen sich Kekse herstellen, aber auch als Add-on auf dem Müsli zum Frühstück oder als Snack vor dem Fernseher eignen sich pure, ungesalzene oder ungesüßte Nüsse, erhältlich in jedem Supermarkt. Aber ich will die Schokolade nicht ganz so schlecht dastehen lassen: Zartbitterschokolade, je höher der Kakao-Anteil desto besser, hat weniger Zucker als die herkömmliche Milchschokolade. Außerdem sind Pflanzenstoffe wie z.B. Flavonoide in Schokolade mit hohen Kakaoanteil enthalten, diese senken das Risiko für Arteriosklerose. Wenn man also mal ein Stück von dieser Schokolade nascht, kann das sogar positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Aber natürlich alles in Maßen.

Natürlich braucht man viel Disziplin, um sich nicht den verlockenden Kleinigkeiten hinzugeben, auch mir fällt es nicht immer leicht an der Spekulatius-Packung im Supermarkt vorbei zu gehen. Meistens handle ich dann nach der Devise „Was nicht im Haus ist, kann ich auch nicht essen!“ und achte strikt darauf, dass diese Packung nicht in meinem Einkaufswagen landet. Das erfordert viel Disziplin und ist auch eine sehr strenge Vorgehensweise mit mir selbst. Doch so habe ich meine Gewohnheit durchbrochen. Für den Anfang ist ein Bewusstsein dafür, dass man die Weihnachtszeit auch gesund verbringen kann, wenn man denn möchte, ein guter Anfang. Sein traditionelles Keksrezept gegen ein gesünderes auszutauschen ist doch schon ein Riesenschritt!

Es wäre doch sowieso viel schöner, wenn sich in der Adventszeit und an den Feiertagen nicht alles ums Essen dreht, sondern man die Tage in Dankbarkeit und Besinnlichkeit verbringen würde, vielleicht mit seiner Familie, man kommt zur Ruhe. Genuss in Maßen gehört sicherlich dazu, ein feierliches Essen am Weihnachtstag. Doch vor allem führt bewusstes Essen dazu, dass wir auch es viel mehr wertschätzen können. Und darum geht es doch eigentlich. Um Dankbarkeit, Wertschätzung, und Liebe.

Ich wünsche euch eine schöne Adventszeit!

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Bjarna Liv Lakämper
Ich bin Medizinstudentin aus Düsseldorf und ich schreibe über Ernährung, Sport und Gesundheit. Mit diesen Themen beschäftige ich mich schon lange, nicht nur aufgrund meines Studiums, sondern auch, weil ich aus dem Leistungssport komme. Ich bin ein sehr aktiver Mensch, ich mache nicht nur selbst Leichtathletik, sondern helfe auch beim Training der Jugend im Verein und habe ehrenamtliche Engagements. Mir persönlich ist ein gesunder Lebensstil wichtig, aber auch die Ausgewogenheit im Alltag. Aktuell helfen mir dabei kreative Aufgaben und die Verbindung zur Natur! Ich und das ganze Eatearnity-Team freuen uns auf eure Fragen und Anregungen an hello@eatearnity.com.

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