Unser Darm und wieso Bakterien wichtig für unsere Gesundheit sind!
Bjarna Liv Lakämper - 4 min read - 12 März 2021
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Schon seit langer Zeit weiß man, dass die Gesundheit unseres Darms viel ausmacht, wenn es um unser generelles Wohlbefinden, unsere Psyche und unsere Ernährung geht. Das viele Gefühle mit dem Bauch zu tun haben, ist kein Zufall: Schmetterlinge im Bauch haben, auf sein Bauchgefühl hören. In unserem Darm sitzen nicht nur viele Bakterien (wozu die da sind später mehr), sondern auch Immunzellen und Nervenzellen. Auf kleinste Veränderungen der Körpertemperatur, der Aktivität, der Tageszeit und der Ernährung kann das Verdauungssystem so reagieren und sich anpassen.

Was ist überhaupt der Darm?

Der Darm ist Teil unseres Verdauungstraktes, den die Nahrung passiert. Nach der Mundhöhle, wo die Nahrungsbestandteile schon durch im Speichel enthaltene Enzyme aufgebrochen werden, wandert der Speisebrei in den Magen, hier finden weitere Verdauungsprozesse, also das Zerkleinern und Aufspalten der Nahrungsbestandteile statt. Vom Magen geht es weiter in den Dünndarm, der insgesamt aus drei Teilen besteht. Hier wird nicht nur aufgespalten, sondern hier werden die Nährstoffe vor allem resorbiert, also aus dem Darm in das Blut und damit in den Körperkreislauf aufgenommen. Nach dem Dünndarm kommt der Dickdarm: Hier wird der übriggebliebene Bolus eingedickt, es wird Wasser entzogen. Der Darm hat damit eine wichtige Funktion in der Versorgung unseres Körpers mit Nährstoffen und Energie.

Brot mit Frischkäse auf einem Teller

Wovon wird der Darm beeinflusst?

Der Darm hat eine eigene sogenannte Motilität, eine eigene Bewegung, um in Wellen den Speisebrei zu durchmischen und weiter durch den Schlauch zu befördern. Diese Bewegung des Darms ist wichtig für unsere Verdauung, denn wir alle wissen – wenn es nicht weiter geht, dann führt das zu Blähungen, Völlegefühl und Bauchschmerzen. Ein Tipp um diese Darmmotilität anzuregen: einen Verdauungsspaziergang machen, denn sich selbst zu bewegen hilft, um auch den Darm in Schwung zu bringen. Auch unser Immunsystem steht in enger Verbindung zum Magen-Darm-Trakt. Hier sitzen viele Immunzellen, um uns vor Erregern von außen (die wir mit der Nahrung aufnehmen) zu schützen. Ist unser Immunsystem also geschwächt, leidet auch der Darm darunter und andersherum: Wenn es dem Darm nicht gut geht, dann ist auch unser Immunsystem geschwächt. Beides hängt eng miteinander zusammen. Neben den Erregern von außen, kleinen Mikroorganismen, die krank machen können, gibt es unserem Darm auch ein reges Treiben von „guten“ Mikroorganismen, unserem Mikrobiom, die uns beim gesund bleiben und bei der Verdauung helfen.

Was sind „gute“ Mikroorganismen?

In unserem Darm leben viele Bakterien, die mehrere Aufgaben haben. Zum einen können diese Bakterien Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe spalten und verdauen, Aufgaben, zu denen uns die Enzyme fehlen. Das Mikrobiom ist bei jedem Menschen unterschiedlich und es gibt viele tausende verschiedene Mikroben, die schon identifiziert worden sind. Neben der Verdauung ist unser Mikrobiom auch wichtig für das Immunsystem, da die Bakterien vor anderen „krankmachenden“ Bakterien schützen. Das Mikrobiom kann beeinflusst werden: Es hängt von der Ernährung ab, ob in letzter Zeit eine Antibiotika-Therapie durchgeführt wurde, ob man viel Stress hat. Viele Faktoren haben einen Einfluss darauf, vor allem weil unser Mikrobiom seit unserer ersten Sekunde auf der Welt beeinflusst wird. Mit allem was wir essen oder verschlucken, was wir berühren, überall lernen wir neue Bakterien kennen.

Kann man das Mikrobiom unterstützen?

JA!!

Also erstmal: Die beste Unterstützung für dein Mikrobiom ist eine gesunde, ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung. Ballaststoffe ernähren sozusagen die Bakterien in unserem Darm. Dadurch unterstützen wir unser Mikrobiom. Ballaststoffe sind beispielsweise in Vollkornprodukten enthalten und können von unseren körpereigenen Enzymen nicht verdaut werden, und deshalb ist das Mikrobiom so wichtig! Auch fermentierte Lebensmittel wie Joghurt tun deiner Darmgesundheit gut.

Schüsseln mit Joghurt, Granola und Früchten

Eine fleischreiche, fettreiche Ernährung ist nicht gut für deinen Darm und erhöht das Risiko für Erkrankungen des Darms und davon gibt es eine ganze Menge, es lohnt sich also, seine Ernährung etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind in westlichen Industrieländern wirklich häufig und sind mit einer Ernährung assoziiert, die man nicht als gesund bezeichnen würde. Deshalb: Immer genug Vitamine essen, Ballaststoffe zu dir nehmen, Ausgewogenheit und Abwechslung sind das A und O.

Andererseits: Bestimmte Entschlackungskuren oder Entgiftungen braucht dein Darm nicht, denn der Körper kriegt das alles schon gut selbst auf die Reihe. Nach Antibiotikum-Einnahme ist natürlich auch das Mikrobiom betroffen von der antibakteriellen Wirkung. Hier helfen probiotische Lebensmittel wie z.B. Joghurt.

Das Mikrobiom ist ungeheuer wichtig! Auch andere Teile unseres Organismus hängen eng mit Bakterien zusammen. So sind die Mitochondrien, also die „Kraftwerke der Zelle“, die unglaublich wichtig sind, um aus Nahrung die Energieform zu machen, die wir zum Bewegen, Denken, Atmen und Leben brauchen, aus Bakterien entstanden.

Im Darm schützen die meisten Bakterien uns und halten uns gesund. Und Darmgesundheit ist ein äußert wichtiges, wenn auch sensibles Thema. Viele Erkrankungen sind mit einem Ungleichgewicht des Mikrobioms assoziiert. Diabetes Mellitus Typ 2, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Darmkrebs. Diesen ganzen Erkrankungen kann man präventiv entgegentreten, wenn man auf eine ausgewogene Ernährung achtet. Wenn uns bewusst ist, welchen großen Einfluss der Darm auf unsere Gesundheit in Zukunft aber auch gerade jetzt hat, ist das schon ein weiterer Schritt in Richtung „gesünder Leben“.

Akut-Tipp bei Darmbeschwerden:

Bei leichtem Völlegefühl oder Blähbauch hilft Bewegung, aber auch eine Massage des Bauches. Kreisrunde Bewegungen im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel, für 5-10 Minuten helfen. Bei starken oder immer wiederkehrenden Symptomen solltest du jedoch immer einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

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Bjarna Liv Lakämper
Hallo zusammen 👋 Mein Name ist Liv und ich bin Medizinstudentin in Düsseldorf. Ich schreibe über Ernährung, Sport und Gesundheit. Mit diesen Themen beschäftige ich mich schon lange. Nicht nur aufgrund meines Studiums, sondern auch, weil ich aus dem Spitzensport komme und unsere nächsten Leichtathletikerinnen im Verein trainiere. Hört sich interessant an? Dann melde dich für Eatearnity 💸🍒 an oder schreib uns an hello@eatearnity.com.

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