Warum der BMI kritisiert wird
Bjarna Liv Lakämper - 4 min read - 24 Mai 2021
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Wenn man sich die Statistiken anguckt, dann sind nicht nur in Deutschland viele Menschen zu dick. Das liegt nicht nur daran, dass sich die Menschen so wenig bewegen oder dass die westliche Ernährung einseitig und eher ungesund ist. Sondern diese Klassifizierung liegt auch daran, dass die Statistiken maßgeblich auf dem Body-Mass-Index (BMI) beruhen. Wir verlassen uns auf die Statistiken. Der BMI wird von der World Health Organisation, kurz WHO klassifiziert. Die Berechnung ist einfach: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Meter zum Quadrat. Letztendlich bedeutet der BMI also nur, wie viel Masse wir auf eine Fläche bringen. Ab einem BMI von 25 ist man „übergewichtig“, ab einem BMI von 30 ist man „adipös“, definitionsgemäß. Das Normalgewicht ist zwischen einem BMI von 18,5-24,9.

Bin ich jetzt übergewichtig?

Übergewicht ist für unseren Körper gefährlich. Denn überschüssiges Fettgewebe unterstützt eine unterschwellige Entzündung im Körper, außerdem hängen Herzkreislauferkrankungen sowie metabolische Erkrankungen maßgeblich mit Übergewicht und der Ernährung zusammen. Doch die Werte für Übergewicht, die beim BMI definiert sind, kann auch ein fitter Mensch erreichen, der viel Sport macht. Denn Muskeln wiegen mehr als Fett. Ob das Gewicht von Fett- oder Muskelmasse kommt, wird überhaupt nicht beachtet in der Berechnung des Body-Mass-Index. Auch bei älteren Menschen ist es oft vorteilhaft, wenn diese einige „Reserven“ haben, natürlich nicht im Übermaß, aber ein kleines Pölsterchen bei Infektionen hilft deinem Körper sich besser gegen die Erreger zu wehren. Hier ist ein gewisses Maß an Übergewicht vielleicht sogar gesund. Schönheit und Gesundheit Sind Themen, die man nicht nur anhand einer Zahl beurteilen kann. Jeder Körper ist schön. Dennoch sollten wir darauf achten, dass wir mit unserem Körper möglichst gesund umgehen.

Apfel mit einem Maßband

Der BMI – ein statistisch genutzter Wert

Der Wert, auf dem die meisten unserer Statistiken beruhen, ist also ein Wert, der nicht besonders aussagekräftig ist und einen sportlichen, muskulösen Menschen nicht wirklich von einem fettleibigen Menschen unterscheiden kann. Dementsprechend kann auch nicht beurteilt werden, ob der Mensch krank ist, und ob beispielsweise Krankenkassen deswegen teurer werden. Die Statistik über übergewichtige Menschen schließt also auch viele Menschen mit ein, die wirklich sportlich sind und viel Muskelmasse haben. Deshalb macht der BMI nicht wirklich viel Sinn, um unsere Gesellschaft zu beurteilen.

Ein positiver Aspekt des BMIs ist, dass die Berechnung einfach ist und schnell geht. So kann in der Arztpraxis schnell entschieden werden, ob ein Warnwert, egal ob es um Übergewicht oder Untergewicht geht, erreicht wird. Spezifische Berechnungen sind komplizierter und aufwändiger. Doch könnte man so allerdings unsere Gesellschaft besser darstellen, und manche Probleme würden gar nicht erst auftauchen. Es geht nämlich nicht nur um die Krankenkassenbeiträge, sondern zum Beispiel auch um die Einstellung bei der Polizei oder bei der Feuerwehr, wo der BMI Beachtung findet.

Gibt es Alternativen?

Wenn man den BMI genau betrachtet, besteht die Berechnung nur aus zwei Faktoren, der Masse und der Größe. Aber nicht nur der Fettanteil beziehungsweise das Gewicht ist wichtig zur Beurteilung der Gesundheit, sondern auch die Verteilung des Fetts am Körper hat einen maßgeblichen Einfluss auf deine Gesundheit. Deshalb ist es besser den Bauchumfang mit einzuberechnen. Vor allem das Bauchfett ist für den Körper gefährlich. Hier verstecken sich entzündliche Prozesse und unser ganzer Organismus und Metabolismus leidet darunter.

Der BMI eignet sich gut für einen Arzt, der seine Patienten kennt und trotzdem einen neutralen berechneten Wert haben möchte, um das Gewicht zu beurteilen. Denn der BMI ist einfach gedacht und eine ziemlich unkomplizierte Methode um die Gewichtsverteilung zu sichten. Es gibt viele Alternativen, die zum Beispiel auch den Bauchumfang mit ein berechnen. Ein Beispiel ist die Waist-to-Hip-Ratio. Hier gibt es viele online Rechner, die man nutzen kann und so ein etwas differenzierteres Ergebnis kriegt.

Beurteile deinen Körper nicht nur anhand einer Zahl!

Vor allem für die Beurteilung des eigenen Körpers ist das eine gute Alternative. Denn die Berechnung des BMIs ist immer schwierig zu beurteilen. Vor allem Jugendliche sind noch sehr beeinflussbar und sollten nicht durch eine einfache Berechnung in eine Essstörung beziehungsweise allein schon in ein ungesundes Denken was die Ernährung betrifft gedrängt werden. Bei verschiedenen Online-Rechnern kann man die Werte eingeben und sich das Ergebnis ausrechnen lassen. Eine detaillierte Beurteilung sollte allerdings durch einen Personal Trainer oder einen Arzt durchgeführt werden, sodass die Ergebnisse auch eingeordnet werden können.

Taschenrechner und Stift

Es ist immer unvorteilhaft, sich nur auf einen Wert zu versteifen. Denn ungesunde Denkmuster wollen wir auf jeden Fall verhindern. Ernährung soll Spaß machen und Gesundheit soll Spaß machen.

Hier ist es ganz wichtig, dass du dich wohl fühlst und dass du in Reinen mit dir und deinem Körper bist. Der BMI kann ein guter Warnhinweis sein, aber du solltest dich nicht zu sehr auf einen einzigen Wert versteifen. Die ergänzenden Analysen, die zum Beispiel beim Arzt durchgeführt werden können, wie etwa eine Körperfettanalyse oder die Analyse der Fettverteilung können da schon einen ganz anderen Blick auf deinen Körper hervorbringen. Der Arzt kann auch persönlich beurteilen wie er dieses Ergebnis einordnet. Deswegen solltest du persönlich dich nicht zu sehr auf einen Wert versteifen. Versuche Ernährung und meine gesunden Lebensstil so zu leben, dass es sich für dich gut anfühlt und nicht in Zwang oder ungesunden Denkweisen endet.

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Bjarna Liv Lakämper
Hallo zusammen 👋 Mein Name ist Liv und ich bin Medizinstudentin in Düsseldorf. Ich schreibe über Ernährung, Sport und Gesundheit. Mit diesen Themen beschäftige ich mich schon lange. Nicht nur aufgrund meines Studiums, sondern auch, weil ich aus dem Spitzensport komme und unsere nächsten Leichtathletikerinnen im Verein trainiere. Hört sich interessant an? Dann melde dich für Eatearnity 💸🍒 an oder schreib uns an hello@eatearnity.com.

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