Warum gibt es so viel Kritik an der Lebensmittelindustrie?
Bjarna Liv Lakämper - 5 min read - 04 Okt 2021
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Wenn man sich mit aktuellen Nachrichten beschäftigt, merkt man, dass über die Lebensmittelindustrie und Lebensmittelhersteller häufig sehr negativ berichtet wird. Aber woran liegt das? Welche Gründe gibt es für Kritik und negative Schlagzeilen? In diesem Blogpost haben wir uns mit dem Thema „Vertrauen in die Lebensmittelindustrie“ beschäftigt, denn wenn man sich gesund ernähren möchte, beschäftigt man sich sehr viel mit Lebensmittelprodukten, und vertraut auf die Angaben, welche Inhaltsstoffe in den Produkten enthalten sind.

Es gibt tatsächlich ein paar Kritikpunkte an der Lebensmittelindustrie. Es geht nicht nur um fragwürdige Produktionsbedingungen, die zum Beispiel die Umwelt belasten, sondern auch um Verpackungen, Inhaltsstoffe oder generell Firmenpraktiken. Seit wir uns im Rahmen des Gesundheitstrends mehr mit Lebensmitteln beschäftigen, fällt natürlich auch mehr Aufmerksamkeit auf die Hersteller. Wenn wir durch den Supermarkt gehen, werden wir beeinflusst. Das weiß glaube ich jeder und wir haben aber auch schon einen Blogpost darübergeschrieben (hier). Aber wir werden nicht nur durch Supermarktgänge oder Werbung beeinflusst, sondern zum Beispiel auch durch Lebensmittelverpackungen. Hier gibt es zwar Regelungen, aber diese lassen viel Interpretationsspielraum für die Hersteller.

Was sind die Kritikpunkte?

Es gibt viele wissenschaftliche Artikel, die sich mit der Zufriedenheit der Konsumenten mit den Lebensmittelherstellern beziehungsweise Lebensmittelprodukten befassen. Ein Problem, dass die Verbraucher haben, ist, dass die Verpackungen oder Vorderseiten von Verpackungen oft irreführend sind und mit Bildern ein gesünderes Produkt vortäuschen. Zum Beispiel Bilder von frischen Früchten oder Honig auf Müsli-Packungen sehen erst mal gesund aus, aber diese Inhaltsstoffe sind manchmal tatsächlich nur in kleinen Mengen enthalten oder durch Zusatzstoffe oder Aromen vertreten, oder wie im Fall von Honig ist es gar nicht so gesund, wie es auf der Verpackung aussieht. In repräsentativen Umfragen sind viele Verbraucher der Meinung, dass die Produkte auf Verpackung besser dargestellt werden als sie sind. Aber nicht nur das, viele Verbraucher trauen auch den Angaben nicht, die auf den Verpackungen gemacht werden. Hier ist vor allem ein Problem, dass die Angaben nicht einfach und verständlich dargestellt werden und man für genaue Angaben die Nährwerttabellen und die Zutatenliste genau unter die Lupe nehmen muss, sowie dass man komplizierte Bezeichnungen, wie zum Beispiel die von verschiedenen Zuckerarten kennen muss, um aus den Informationen schlau zu werden. Ich glaube jeder von uns kennt die Situation, dass man zum Beispiel einen Frucht Joghurt oder ein Nuss Müsli gekauft hat, und dann zu Hause bemerkt hat, dass im Joghurt nur wenige Prozent Fruchtanteil enthalten sind oder im Nussmüsli auch nur ein geringer Anteil von Nüssen. Außerdem sind diese Produkte wesentlich weniger gesund, als vielleicht das Erscheinungsbild vermuten lässt. Auch bei Aroma ist die Kennzeichnung nicht immer klar. Hier sind vor allem die Formulierung verwirrend. Was heißt denn natürliches Aroma? Natürliches Aroma muss bis zu 95% aus dem natürlichen Produkt bestehen, aber es gibt natürlich auch künstliche Aromen.

Die Schlagzeile im letzten Jahr: Was ist mit der Lebensmittelsicherheit und den Arbeitsbedingungen?

Für die Verbraucher ist die Lebensmittelsicherheit ein sehr wichtiges Thema, denn verunreinigt oder nicht nach europäischen Standards hergestellte Lebensmittel führen oft dazu, dass das Vertrauen in die Industrie sinkt. Wir sind nun mal höchste Qualität gewohnt. Das Bewusstsein für Ernährung und Lebensmittel hat auch dazu geführt, dass uns die Arbeitsbedingungen und die Produktionsumstände mehr interessieren. Im letzten Jahr haben vor allem die Arbeitsbedingungen in der Fleisch-verarbeitenden Industrie Schlagzeilen gemacht. Dies ist natürlich nicht besonders förderlich für das Vertrauen in die Lebensmittel. Vertrauen in die Hersteller haben die Verbraucher vor allem da, wo die Qualität stimmt. Wenn man ein Produkt schon lange kennt und es oft kauft und nie enttäuscht wird ist das natürlich ein Argument dafür, dieses Produkt wieder zu kaufen. Nichtsdestotrotz ist auch das Preis-Leistungs-Verhältnis wichtig, d.h. auch der Preis spielt eine Rolle. Dazu zählt auch, dass ein Lebensmittel zu ausreichender Zufriedenheit führt. Umweltschutz bei der Produktion wird immer wichtiger, steht aber noch nicht oben auf der Liste.

Was hat der Trend zu gesünderer und bewusster Ernährung damit zu tun?

Wenn man heute durch den Supermarkt geht ist ein Thema sehr präsent. Fast jede Werbung hat damit zu tun. Gesundheit wird uns immer wichtiger und das macht sich auch bei den Lebensmitteln bemerkbar. Gesunde Produkte oder vegetarisch und vegane Alternativen werden immer häufiger. Spricht eine grüne Verpackung automatisch dafür, dass das Produkt auch gesünder ist? Eben nicht. Hier wird mit unseren Emotionen und Erwartungen gespielt und durch "Greenwashing" von Lebensmitteln versucht man Konsumenten anhand der Verpackung zu beeinflussen. Denn ein grünes, frisches, gesundes Produkt macht Spaß und wird von uns häufiger gekauft. Doch der Gesundheitstrend hat auch noch eine andere Wirkung. Die Transparenz der Produktion sowie der Inhaltsstoffe werden immer wichtiger, immer mehr Verbraucher achten darauf. Hier gibt es auch schon digitale Lösungen, wie zum Beispiel QR-Code oder andere Apps, mit denen man die Inhaltsstoffe überprüfen kann. Auch der Nutri-Score kann zum Beispiel mit der Eatearnity App nachgeguckt werden. Auch bei Fischprodukten kann man oft die Herkunft anhand der Verpackung erfahren. Diese Transparenz führt zu nachhaltigem Vertrauen, denn der Verbraucher will informiert werden. Wenn allerdings die Transparenz nicht ganz glaubwürdig ist, führt das auch zu gegenteiligen Ergebnissen.\ Vor allem wenn man sich gerade erst in dem Gebiet der gesunden Ernährung zurechtfindet, kann es schwerfallen, die wirklich gesunden Produkte zu erkennen. Hierfür gibt es Hilfestellungen. Zum Beispiel der Nutri-Score zum Vergleich von Produkten oder auch Apps wie Eatearnity dienen dazu, die Inhaltsstoffe sowie Nährwerte nachzugucken und zu vergleichen. Die Eatearnity App gibt anhand des letzten Einkaufs sogar Empfehlungen für gesündere Produkte.

Was können Hersteller tun, um das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen?

Keiner von uns möchte offensichtlich beeinflusst werden. Wenn wir durch den Supermarkt gehen und zu aufdringliche Werbung oder eine Verpackung sehen, die zu gut ist um wahr zu sein, sind die meisten von uns misstrauisch. Dieses Vertrauen sollten die Lebensmittelhersteller wieder gewinnen. Hier ist vor allem eine Kommunikationsstrategie wichtig, die auf Transparenz und Information setzt. Denn wir Verbraucher interessieren uns für die Inhaltsstoffe, wir interessieren uns für die Produktionswege, wir interessieren uns für Rezept-Vorschläge, wir interessieren uns für super Foods und all das kann genutzt werden um eine Verbindung aufzubauen, zwischen Verbraucher und Lebensmittelhersteller. Denn die Gesundheit ist uns schließlich allen wichtig. In den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein für Ernährung stark verändert. Wir achten mehr darauf, was wir unserem Körper zuführen, und ernähren uns gesünder.

Was kannst du tun, um dich im Supermarkt zurecht zu finden?

Hier geht es vor allem um den Vergleich von Produkten, lass dich nicht verunsichern, und vergleiche die Produkte, die du immer kaufst mit anderen Alternativen, eventuell findest du eine gesündere Alternative oder ein Produkt was ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Ein Vergleich lohnt sich fast immer. Hier kannst du verschiedene Apps nutzen oder Website oder auf ihren Produkten gibt es jetzt schon den Nutri-Score. In der Eatearnity App werden wir anhand deines letzten Einkaufs gesündere Alternativen vorgeschlagen. Vielleicht findest du hier Inspiration für den nächsten Einkauf.\ Insgesamt profitieren wir alle von dem Gesundheitstrend. Denn dadurch, dass wir uns alle gesünder ernähren und bewusst auf unsere Ernährung achten, werden auch die Produkte von den Herstellern gesünder und transparenter gestaltet. So können wir alle gemeinsam einen gesünderen Lebensstil führen. Ein Vergleich von Produkten kann trotzdem nicht schaden.

Durch negative Schlagzeilen hat das Vertrauen in die Lebensmittelindustrie in den letzten Jahren etwas gelitten. Viele Verbraucher beschäftigen sich jetzt mehr mit den Inhaltsstoffen und der Herkunft. Durch eine gesündere Ernährung und transparentere Kommunikation können wir alle etwas lernen und für unseren Körper tun!

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Bjarna Liv Lakämper
Hallo zusammen 👋 Mein Name ist Liv und ich bin Medizinstudentin in Düsseldorf. Ich schreibe über Ernährung, Sport und Gesundheit. Mit diesen Themen beschäftige ich mich schon lange. Nicht nur aufgrund meines Studiums, sondern auch, weil ich aus dem Spitzensport komme und unsere nächsten Leichtathletikerinnen im Verein trainiere. Hört sich interessant an? Dann melde dich für Eatearnity 💸🍒 an oder schreib uns an hello@eatearnity.com.

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