Was ist dran an der Kritik zum Nutri-Score?
Bjarna Liv Lakämper - 5 min read - 28 Juni 2021
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Seit November letzten Jahres kann in Deutschland von Herstellern auf der Vorderseite von Verpackungen von Lebensmitteln der Nutri-Score gedruckt werden. Bevor der Nutri-Score eingeführt wurde, haben Experten und auch Verbraucher mehrere Alternativen zum Nutri-Score im Rahmen eines Auswahlprozesses miteinander verglichen. Am Ende hat der Nutri-Score gewonnen. Auch wir haben auf unserem Blog schon mehrere Artikel zum Nutri-Score gepostet. Den Link dazu findet ihr hier.

Warum ist uns der Nutri-Score wichtig? In der Eatearnity-App kannst du deinen Kassenzettel vom Einkauf einscannen und wir empfehlen dir anhand des Nutri-Scores gesündere Alternativen. Wenn du beim nächsten Einkauf zu dieser Alternative greifst und deinen neuen Kassenzettel wieder einscannst, dann kriegst du von uns Geld zurück. So bezahlen wir dich für den Kauf gesünderer Lebensmittel. Weil wir bei Eatearnity die Lebensmittel anhand des Nutri-Scores vergleichen, ist uns wichtig, dass der Nutri-Score richtig verstanden wird.

Der Nutri-Score bewertet Lebensmittel anhand von ernährungsphysiologisch positiven und negativen Inhaltsstoffen. Als „gut“ werden dabei Ballaststoffe, Proteine, Obst, Gemüse oder Nüsse bewertet. Als „schlecht“ werden Zucker, gesättigte Fettsäuren, hoher Kalorienwert und Salzgehalt.

Doch schon kurz nach dem der Nutri-Score eingeführt wurde, gab es die ersten Kritikpunkte. In meinem Blogbeitrag heute stelle ich mir die Frage, ob die Kritik am Nutri-Score gerechtfertigt ist.

  1. Viele Inhaltsstoffe werden bei der Bewertung nicht berücksichtigt.

Eine Kritik am Nutri-Score ist, dass Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Süßstoffe oder auch gesunde Mikronährstoffe nicht in die Bewertung mit einfließen. Grundsätzlich ist dieser Kritikpunkt korrekt. Der Nutri-Score berücksichtigt nur die oben erwähnten Makronährstoffe. Weitere Inhaltsstoffe fließen nicht in die Berechnung mit ein, obwohl auch Vitamine, Spurenelemente und der andere Mikronährstoffe wichtig sind. Gesunde Ernährung ist im Trend. Und die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln werden jeden Tag diskutiert. Es ist nicht immer einfach den Überblick zu behalten, und gerade in Deutschland wird den Mikronährstoffen eine große Rolle zugeschrieben. Dennoch ist es wichtig, erst mal die Makronährstoffe zu bewerten, um ein gesundes Produkt von einem ungesunden zu unterscheiden. Dementsprechend sind die wichtigsten Bestandteile, die ernährungsphysiologisch einen Ausschlag geben, ob das Produkt gesund oder eben nicht ist, darin verrechnet und werden vom Algorithmus berücksichtigt. Dabei ist zu beachten, dass sich der Nutri-Score vor allem für den Vergleich von verarbeiteten Lebensmitteln eignet. Durch das Front-Package-Label wird eine schnelle Orientierung im Supermarkt möglich, ohne bei jedem einzelnen Produkt die Nährwerttabelle zu studieren. Studien belegen, dass, auch wenn nicht alle Inhaltsstoffe berücksichtigt werden, der Nutri-Score dennoch zu einer gesünderen Ernährung beiträgt und insgesamt die Kalorienaufnahme vermindert. Außerdem werden bestimmte Krebsarten durch die gesündere Ernährung präventiv verhindert. In vielen europäischen Ländern wird der Nutri-Score schon seit mehreren Jahren erfolgreich genutzt. Was auch nicht vom Nutri-Score verrechnet wird, ist zum Beispiel, ob das Produkt nach Bio-Kriterien hergestellt wurde. Aber auch Bio-Lebensmittel werden manchmal mit Ersatzstoffen wie zum Beispiel Xylit oder Stevia hergestellt. Und nur weil ein Produkt Bio ist, ist es nicht automatisch gesund. Auch dazu haben wir schon einen Blog-Post geschrieben. Nicht jeder kann und möchte sich im Supermarkt mit den detaillierten Nährwert-Tabellen beschäftigen. Wer sich aber für weitergehende Informationen interessiert, die nicht im Nutri-Score verrechnet sind, kann diese Information jederzeit auf der Rückseite der Packung erfahren. Außerdem: Nach einem Update soll auch der Anteil an Frucht oder Gemüse im Produkt gekennzeichnet werden.

  1. Verbraucher können nicht nachvollziehen, wie die Bewertung zu Stande kommt.

Nicht immer ist klar, wie die Lebensmittel berechnet und bewertet werden. Der Algorithmus für den Nutri-Score ist immer gleich, und ernährungsphysiologisch günstige Bestandteile werden mit weniger gesunden Inhaltsstoffen verrechnet. Trotzdem haben viele gesunde Lebensmittel nur ein C. Ein Beispiel hierfür sind zum Beispiel Olivenöl oder auch Cashew-Kerne. Diese haben viele wertvolle Omega-3-Fettsäuren, werden aber trotzdem nicht als gesund eingestuft. Hier ist vor allem zu beachten, dass der Nutri-Score sich vor allem bei verarbeiteten Lebensmitteln eignet, um diese zu vergleichen. Außerdem sollte man nur Lebensmittel in einer Kategorie vergleichen, also zum Beispiel Pizza mit Pizza. Trotzdem Sind Tendenzen erkennbar: Die Werte im Süßigkeitenregal sind eher C bis E also eher ungesund. Bei gesunden Lebensmitteln wie zum Beispiel Vollkornprodukten sind eher Nutri-Scores von A oder B vertreten. Große Konzerne betreiben aufgrund Der Einführung food Design, das bedeutet, dass die Produkte so angepasst werdenn, dass diese einen besseren Nutri-Score erhalten. Hier kommen auch künstliche Inhaltsstoffe oder Füllstoffe zur Verwendung, um den Zuckergehalt oder Fett Gehalt zu verringern. Natürlich sind künstliche Inhaltsstoffe nicht besser. Aber es geht auch in die andere Richtung: Der Nutri-Score kann die Hersteller auch motivieren, die Produkte insgesamt gesünder zu gestalten. So kann eine gesündere Ernährung funktionieren.

  1. Die Nutzung des Nutri-Scores ist für Lebensmittelhersteller freiwillig.

Als das Bundesministerium für Ernährung den Nutri-Score eingeführt hat, wurde keine verpflichtende Nutzung festgelegt. Manche Hersteller wehren sich also, den Nutri-Score anzuwenden. Außerdem führt das dazu, dass ungesunde Produkte nicht gekennzeichnet werden. Aber: Wenn ein Hersteller ein Produkt kennzeichnet, muss auch das gesamte Sortiment mit dem Nutri-Score ausgezeichnet werden. So können nicht nur die besonders gesunden Produkte hervorstechen. Auf unseren Lebensmitteln ist trotzdem meistens kein Nutri-Score vorhanden. Vor allem Getränkehersteller nutzen den Nutri-Score noch nicht so häufig. Aber wer unsere letzten Blog-Posts gelesen hat, der weiß, zuckerhaltige Getränke solltest du aus deinem Einkaufswagen verbannen. Diese sind einfach zu ungesund.

  1. „Ungesunde“ Inhaltsstoffe können von „gesunden“ Inhaltsstoffen ausgeglichen werden

Das Prinzip vom Nutri-Score ist, dass die Inhaltsstoffe miteinander verrechnet werden und das Endergebnis den Nutri-Score angibt. Das hat jedoch zur Folge, dass gesunde Inhaltsstoffe ungesunde „ausgleichen“ können. Wenn ein Lebensmittel also viel Fett enthält aber auch viele Proteine oder Ballaststoffe, fällt der hohe Fettanteil nicht mehr so ins Gewicht. Das ist tatsächlich ein Kritikpunkt, den man anerkennen muss. Doch die Tendenz, ob ein Lebensmittel gesund oder ungesund ist, lässt sich häufig erkennen.

  1. Spezielle Ernährungsformen werden nicht abgebildet

Sich vegetarisch oder vegan zu ernähren wird immer beliebter und es gibt viele gute Gründe dafür. Doch diese Ernährungsformen werden im Nutri-Score leider nicht berücksichtigt. Hierfür gibt es dann wiederum zusätzliche Labels, die das Einkaufen nicht gerade einfacher machen. Man muss also gut aufpassen, um den Überblick zu behalten. Ähnlich wie bei einer regionalen Herstellung der Produkte fließt diese Information nicht in den Nutri-Score mit ein. Doch eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung, basierend auf pflanzlichen Produkten, ist nachweislich besonders gut für deine Gesundheit. Die Menge an Ballaststoffen ist häufig viel höher, außerdem werden mehr gute Fette in die Ernährung miteingeschlossen. Bewiesen ist auch, dass vor allem pflanzliche Proteine deinem Körper viel Gutes geben. Im Nutri-Score, der für eine gesunde Ernährung sorgen soll, wird das leider nicht berücksichtigt. Doch was nicht ist, kann ja noch werden..?

Es gibt also einige Kritikpunkte am Nutri-Score, aber im Großen und Ganzen hilft dieser, gesünder einzukaufen. Vor allem, wenn man sich nicht viel mit Inhaltsstoffen und Nährwerttabellen befassen will, hilft der Nutri-Score zum gesünderen Produkt zu greifen. Zum Beispiel wenn man es im Supermarkt eilig hat oder wenn man nicht stundenlang Nährwerttabellen studieren möchte. Ich finde den Nutri-Score eine tolle Chance, um sich gesünder zu ernähren und hab diesen auch schon auf mehreren Produkten im Supermarkt entdeckt.

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Bjarna Liv Lakämper
Hallo zusammen 👋 Mein Name ist Liv und ich bin Medizinstudentin in Düsseldorf. Ich schreibe über Ernährung, Sport und Gesundheit. Mit diesen Themen beschäftige ich mich schon lange. Nicht nur aufgrund meines Studiums, sondern auch, weil ich aus dem Spitzensport komme und unsere nächsten Leichtathletikerinnen im Verein trainiere. Hört sich interessant an? Dann melde dich für Eatearnity 💸🍒 an oder schreib uns an hello@eatearnity.com.

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