Was ist eigentlich der Nutri-Score?
Bjarna Liv Lakämper - 5 min read - 25 Jan 2021
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Stell dir vor, du stehst vor dem Kühlregal im Supermarkt. Du willst Joghurt kaufen. Da steht Naturjoghurt, Früchtejoghurt, Joghurt mit Müsli, Sojajoghurt und griechischer Joghurt und sicherlich noch vieles mehr. Also eine riesige Auswahl an Produkten. Da du diese Woche gesund einkaufen willst, fragst du dich: Welcher ist denn jetzt der beste Joghurt für mich? Bevor der Nutri-Score eingeführt wurde, hast du vielleicht die Nährwerttabellen auf der Rückseite der Packungen verglichen, Zucker- und Fettgehalt. Oder die kleine Energiegehaltangabe auf der Vorderseite hätte für dich den Ausschlag gegeben. Heute kannst du auf der Vorderseite der Joghurtpackungen ein Label erkennen, ein weißer Rahmen mit einer Reihe Buchstaben. Ein Buchstabe ist fettgedruckt. Bei dem einen Joghurt, der zur Auswahl steht, ist dieser Buchstabe ein A und dieses A ist grün. Du erkennst sofort, dass dieses Produkt etwas Gutes sein muss, etwas Gesundes. Der andere Joghurt, den du dir ausgesucht hast, hat hingegen vielleicht nur ein C, in Gelb, also weniger gesund. Und ja, natürlich gibt es auch Lebensmittel mit einem roten Buchstaben, einem E. Im Vergleich kannst du sofort erkennen, welches das Produkt das Gesündere ist. Und dieses landet hoffentlich in deinem Einkaufswagen. Und nicht nur das: Du kannst auch ganz unterschiedliche Produkte vergleichen und erfährst so, dass zum Beispiel Joghurt gesünder für dich ist als Eis und entscheidest dich dafür, dass es zum Nachtisch kein Eis, sondern einen Joghurt mit Nüssen und Obst gibt.

Nutri-Score auf einem Joghurt-Becher

Dieses Label ist der Nutri-Score. Das Prinzip ist denkbar einfach: Es ist eine Art Noten-System für Lebensmittel, mit fünf Abstufungen. Die Buchstaben A bis E bezeichnen jeweils eine Kategorie von Lebensmitteln, die entweder ernährungsphysiologisch besonders günstig sind oder das genaue Gegenteil, nämlich ungesund oder etwas dazwischen.

Wie wird der Nutri-Score berechnet?

Im Herbst 2020 wurde der Nutri-Score vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eingeführt. In Zukunft soll der Score auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen gedruckt werden. Entschließt sich eine Firma, auf freiwilliger Basis, den Nutri-Score zu nutzen, muss das Label auf allen Produkten dieses Herstellers zu sehen sein, nicht nur auf den besonders gesunden.

Ein Produkt wird von einem Algorithmus bewertet, und zwar danach, wie günstig es für die Ernährungsphysiologie des Menschen ist. Laut des Nutri-Scores ungünstig sind zum Beispiel gesättigte Fettsäuren, Salz, Zucker oder der Energiegehalt, als „gut“ bewertet werden hingegen Ballaststoffe, Proteine, Obst, Gemüse und Nüsse, insgesamt werden also die Nährwerte miteinander verrechnet, sodass ein vergleichbarer Wert für die Produktkategorie entsteht. Das Ziel dieser Bewertung und der Markierung auf der Vorderseite der Verpackung ist, gesundes Einkaufen übersichtlicher und einfacher zu gestalten.

Warum sollte man beim Einkaufen auf ein gesünderes Nährwertprofil Acht geben?

Die westliche Welt lebt in einer Wohlstandsgesellschaft, es gibt alles im Überfluss, auch Lebensmittel. Das hat in den letzten Jahrzehnten zu einer besorgniserregenden Entwicklung geführt, nicht zuletzt, weil die Menschen immer ungesünder und immer mehr essen. Mittlerweile wird eine gesunde Ernährung den Menschen wieder wichtiger. Eine gesunde Ernährung ist ein vergleichsweises einfaches Mittel, um vielen nicht-übertragbaren Krankheiten vorzubeugen. Dazu zählen nicht nur die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die heutzutage zu den meisten Todesfällen überhaupt führen, sondern auch Krebs- und Gelenkerkrankungen. Wenn man also seine Ernährung gesünder gestaltet, gewinnt man nicht nur eine Fülle an großartigen Rezepten und Aromen, sondern auch zusätzliche Jahre an Lebenszeit und Lebensfreude. Das ist doch eine fantastische Aussicht!

Dabei werden wir nun also auch in Deutschland von der Bundesregierung unterstützt. Die Nutzung des Nutri-Scores ist freiwillig für die Hersteller, dennoch ist so ein Front-Package-Nutrition-Label (FoPL) auch eine Motivation für ebendiese, ihre Produkte gesünder zu gestalten, um einen besseren Score zu erhalten. Das BMEL hat lange überlegt, welches FoPL für Deutschland passend und umsetzbar wäre. Es wurde viele Studien durchgeführt, die auch darauf beruhen, dass der Nutri-Score zum Beispiel in Frankreich schon gängige Praxis ist. So wurde 2019 bei Nutzung des Nutri-Scores eine reduzierte Gesamtkalorienaufnahme erwiesen, sowie eine Reduktion der Herzinfarkte oder anderer schwerwiegender gesundheitlichen Ereignisse bei den Studienteilnehmern. Nachweislich verbessert der Nutri-Score unsere Ernährung, im Sinne eines gesünderen Einkaufs und qualitativ hochwertigeren Nährstoffen.

Die vom Nutri-Score als günstig bewertete Ballaststoffe verringern das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen aber auch für Schlaganfälle, wohingegen Salz, im Nutri-Score als schlecht bewertet, zu einer Erhöhung des Blutdrucks führt, was wiederrum zum Beispiel zu einer koronaren Herz-Erkrankung führen kann.

Im Vergleich mit anderen FoPLs schneidet der Nutri-Score sehr gut ab, ist sehr effizient und nützlich, auch andere Studien, zum Beispiel aus den Niederlanden, kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Überlegungen beim Einkaufen und vergleichen von Produkten

Und wie hilft das jetzt mir ganz persönlich beim Einkauf?

Dieser Score ist ein guter Weg hin zu einem gesünderen Einkauf, ohne dass man zum Ernährungswissenschaftler/-in werden muss. Wenn man jetzt also durch den Supermarkt geht und die Produkte einer Kategorie vergleicht, wie zum Beispiel Joghurt, kann man sehr leicht erkennen, welches Produkt als gesünder eingestuft wird. Und warum sollte man dann noch absichtlich zum ungesünderen Produkt greifen, wenn doch bewiesen ist, dass es vor allem uns selbst nützt, auf ein günstigeres Nährwertprofil zu achten? Ganz nach dem Motto: „An apple a day keeps the doctor away“ (Obst zählt beim Nutri-Score zu den ernährungsphysiologisch günstigen Nahrungsbestandteilen). Es ist ein weiteres Label auf der Verpackung von Lebensmitteln, aber so leicht verständlich und einfach anzuwenden, dass es auch im Alltag etwas nützt. Denn wie oft hat man die Zeit, durch den Supermarkt zu gehen und bei jedem Produkt die Nährwerttabellen zu studieren? Der Nutri-Score nimmt uns das ab, und zwar auf sehr verlässliche Art und Weise.

In Zukunft kann der Nutri-Score noch erweitert werden. Beispielsweise Zusatzstoffe, aber auch Mineralstoffe könnten noch mit verrechnet werden oder eine regionale Herstellung wird mit berücksichtigt. Doch heute hilft mir der Nutri-Score schon sehr beim Einkauf, bei der gesünderen Ernährung, und auch bei allem, was mich noch erwartet: zusätzliche gesunde Lebensjahre kann man schließlich nicht kaufen. Durch den Nutri-Score werden diese erreichbar.

Eatearnity nutzt diese Produktbewertung durch den Nutri-Score: Anhand deines Kassenzettels erhältst du Produktvorschläge als gesündere Alternative zu dem bisher gekauften Produkt. Ob und welche Alternative es gibt, entscheidet Eatearnity anhand des Nutri-Scores. Und wenn du beim nächsten Einkauf zum gesünderen Produkt greifst, belohnt Eatearnity dich dafür. Vor allem aber belohnst du damit dich selbst und deine Gesundheit!

Hast du den Nutri-Score schon auf Produkten in deinem Supermarkt entdeckt? Hast du aufgrund dessen auch schon eine Kaufentscheidung getroffen?

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Bjarna Liv Lakämper
Hallo zusammen 👋 Mein Name ist Liv und ich bin Medizinstudentin in Düsseldorf. Ich schreibe über Ernährung, Sport und Gesundheit. Mit diesen Themen beschäftige ich mich schon lange. Nicht nur aufgrund meines Studiums, sondern auch, weil ich aus dem Spitzensport komme und unsere nächsten Leichtathletikerinnen im Verein trainiere. Hört sich interessant an? Dann melde dich für Eatearnity 💸🍒 an oder schreib uns an hello@eatearnity.com.

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