Was steckt hinter dem Fastentrend?
Bjarna Liv Lakämper - 6 min read - 19 Apr 2021
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Immer wieder gibt es neue Trends, wie man sich ernähren soll und was man am besten essen sollte, um abzunehmen. Natürlich ist ein durchschnittliches Gewicht gut für die Gesundheit, denn mit einem moderaten Gewicht und gesunder Ernährung kann man vielen Krankheiten vorbeugen. Dennoch sind die meisten Diättrends nicht wirklich gut für unseren Körper. Denn radikales Abnehmen ist nicht Sinn der Sache und hält meistens auch nicht lange. Der Jojo-Effekt ist ein bekanntes Problem bei den meisten Diäten. Aber seit ein paar Jahren gibt es einen neuen Trend am Nutrition-Horizont, nämlich das Fasten.

Doch was steckt hinter dem Trend? Und was macht das überhaupt mit unserem Körper?

Wenn man seine Ernährung umstellen will, ist eine ausgewogene und vielseitige Ernährung das Ziel, sodass unser Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Dass man sich selbst dabei gut fühlt ist das Wichtigste. Beim Fasten geht es nicht ausschließlich um das Abnehmen, sondern auch dabei die körpereigenen Mechanismen, die über die Zeit faul geworden sind, wieder anzuschmeißen. Warum die faul geworden sind? Weil wir uns in einer Gesellschaft befinden, in der Nahrung jederzeit zugänglich ist, man muss sein Fleisch nicht selbst jagen und die Beeren nicht selber sammeln. Das ist Luxus. Und unser Körper hat sich daran gewöhnt, obwohl das nicht der Zustand ist, in dem wir uns normalerweise befinden, beziehungsweise auf den die Evolution uns vorbereitet hat.

Fasten hat eine tausende von Jahren zurückliegende Tradition. Vor allem der „Reinigungsgedanke“ spielte immer eine große Rolle, denn auch heute noch wird das Fasten als Anlass für einen Neustart genutzt, zum Beispiel eine grundlegende Ernährungsumstellung. Aber es gibt auch Hinweise dafür, dass Fasten auch einen psychosozialen Effekt hat. Während man fastet, widmet man sich anderen „schönen“ Dingen, der Geist wird frei und man schafft Platz für neue Gedanken und Sichtweisen. Ich finde das eine sehr versöhnliche und beruhigende Sicht darauf, dass man auf Essen verzichtet. Das fällt schließlich nicht immer leicht, oder?

Diät mit 250-500 Kilokalorien pro Tag!?

Das hört sich schon nach der krassesten Diät der Welt an. Und tatsächlich ist das die Kalorienmenge, die man während des Heilfastens, also der ursprünglichsten Form des Fastens, zu sich nehmen sollte. Das ist wirklich sehr wenig im Vergleich zu unserem normalen Tagesbedarf. Doch diese Form des Fastens wird auch nur über einen Zeitraum von wenigen Wochen durchgeführt. Es gibt sogar spezielle Kliniken, die das Fasten überwachen. Nachweislich hilft das Heilfasten gegen Erkrankungen, wie zum Beispiel bei chronischen Entzündungen oder dem metabolischen Syndrom. Dabei spielt vor allem der „Reset“-Knopf im eigenen Mindset und der eigenen Ernährungsweise eine große Rolle. Denn durch den Verzicht lässt es sich besser neu durchstarten!

Worauf muss ich beim Fasten achten?

  • Genug trinken! Das ist der wichtigste Grundsatz, denn dein Körper braucht die Flüssigkeit. Zuckerfreie Getränke und vor allem Wasser sind dein Lebenselixier!
  • Es kann natürlich zu einigen Nebenwirkungen kommen, denn dein Körper muss sich erstmal an die neue Ernährungsweise gewöhnen. Du solltest vor allem auf deinen Kreislauf achten.
  • Vor allem wenn du eine bekannte Erkrankung hast, solltest du deinen Fastenplan mit einem Arzt besprechen.
  • Nach einer anfänglichen Phase des Unwohlseins, wenn dein Körper sich an den Fastenzustand gewöhnt hat, wird es dir besser gehen, du wirst dich fit fühlen und deine Stimmung hebt sich!
  • Trotzdem solltest du wissen, dass Fasten, also Nahrungsentzug immer eine Art Stress für den Körper ist. Pass also auf dich auf und reagiere, wenn du dich absolut nicht wohlfühlst.

Warum macht es Sinn zu fasten, also auf Nahrungsentzug zu gehen?

Wenn dem Körper keine Energie in Form von Nahrung zugeführt wird, greift der Organismus auf die Reserven zurück. Zuerst auf eine Speicherform von Zucker, dem Glykogen, das in der Leber gespeichert wird. Dann auf Proteine und wieder später auf Fette. Das geschieht aber erst nach langen Fasten-Phasen. Beim Intervallfasten, bei dem man temporär auf Nahrung verzichtet, tritt dieser Sparmodus des Körpers noch nicht ein. Hungerphasen hat es in der Entwicklung des Menschen schon immer gegeben, deshalb ist es eigentlich ganz natürlich, dass wir unserem Körper nicht permanent Essen zuführen. Doch in unserer Wohlstandsgesellschaft haben wir ja leider permanent Zugang dazu, die Notwendigkeit ergibt sich also nicht direkt. Der Normalzustand des Menschen ist auch, dass wir hin und wieder nicht direkt etwas essen, wenn wir Appetit haben. Und auch wenn sich das Fastens sehr radikal anhört, du wirst dich besser fühlen. Denn in den Hungerphasen produziert unser Körper vermehrt Serotonin, das Glückshormon. Das ist doch eine gute Nachricht! So kommt es auch zum sogenannten „Fasten-High“. Intermittierendes Fasten oder Intervallfasten ist auch eine Anlehnung an den Tagesablauf unserer Vorfahren. Denn es war einfach nicht kontinuierlich Nahrung da, sodass eine Fastenzeit am Tag und eine Essenszeit definiert war.

Intervallfasten – ist es so gut wie es überall klingt?

Jetzt habe ich schon viel von Intervallfasten gesprochen. Das ist eine Art vom Fasten, die sich vom radikalen Heilfasten unterscheidet. Denn Intervallfasten lässt sich so gut in den Alltag integrieren, dass man es auch länger als nur ein paar Wochen machen kann und vor allem sollte. Beim Intervallfasten legt man einen Zeitraum fest, den man fastet und einen, wo man isst. Meistens sind das Stunden: 16 Stunden fasten, 8 Stunden essen. Es gibt aber auch noch andere Modelle.

Wand mit einer bunten Schürze und einer Wanduhr

Der Körper gewöhnt sich mit der Zeit daran, und durch das intermittierende Fasten kommt der Körper gar nicht erst in die extreme Hungerphase. Dadurch wird der Stoffwechsel auch nicht komplett runtergefahren. Das Gute daran ist, dass der Jojo-Effekt auf ein Minimum reduziert wird, und nicht wie bei anderen Diäten für Enttäuschung sorgt.

Vor allem aber aktiviert Intervallfasten die Autophagie der Zellen. Autophagie ist ein Prozess, wo alte Zellbestandteile und Bauteile des Körpers von den Zellen verdaut werden und so Entzündungsprozesse hemmen können, sowie auch einem zu hohen Blutdruck entgegenwirken. Außerdem gibt es Studien an Tieren, die auf einen lebensverlängernden Effekt hinweisen.

Ich finde das eine spannende Entwicklung und habe es selbst für viele Monate gemacht. In der Zeit habe ich mich fitter gefühlt und gleichzeitig war ich stolz, eine Ernährungsweise, die nicht meiner Gewohnheit entsprach, so lange durchzuhalten. Denn Intervallfasten fiel mir gar nicht schwer. Es lässt sich gut in den Alltag integrieren und man hat vor allem keine großen Verbote. Natürlich sollte man sich gesund ernähren mit viel Obst und Gemüse, Proteinen und gesunden Fetten. Doch gerade die Flexibilität hat mir vor allem gefallen. Sechszehn Stunden am Tag nichts zu essen fällt einem mit der Zeit gar nicht mehr so schwer, ganz im Gegenteil. Ich hatte weniger Heißhunger und meine Verdauung wurde besser. Für mich ein Effekt, den ich so nicht erwartet hatte, nur durch ein eingeführtes Zeitfenster zum Essen. Ich bin begeistert!

Der Gedanke des Fastens ist sowohl präventiv als auch kurativ. Bei bestimmten Erkrankungen kann Heilfasten wirklich eine Besserung bringen. Doch auch der präventive Gedanke ist interessant: Durch die Ernährungsumstellung kann so vieln chronischen Krankheiten vorgebeugt werden, wahrscheinlich lebt man länger und man tut jeder einzelnen Zelle etwas Gutes, wenn man sich für das Intervallfasten entscheidet. Deshalb könnte Fasten auch etwas für dich sein!

Der Körper muss nicht gereinigt werden!

Oft ist von Entschlackungs- oder Entgiftungskur die Rede. Das schafft unser Körper auch ganz gut alleine. Doch trotzdem macht es auch für dich Sinn, den körpereigenen Mechanismen wie zum Beispiel der Autophagie mal auf die Sprünge zu helfen, in dem du ein Nahrungsfreies Zeitfenster einführst. Denn sonst findet dieser Prozess einfach nicht statt und die alten Bauteile werden wesentlich langsamer abgebaut, als wenn du Intervallfasten machst. Auch dass Entzündungsprozesse im Körper gehemmt werden, tut dir nur gut.

Ein Nebeneffekt ist natürlich, dass man durch Intervallfasten abnehmen kann. Denn in dem kleinen Zeitfenster schafft man es gar nicht so viel zu essen, wie man es ohne das Fastenintervall schaffen würde. Oft lässt man das Frühstück weg oder das Abendessen – und dadurch fallen Kalorien weg. Das hat den Effekt, dass du abnimmst. Und anders als bei anderen Diäten musst du beim Intervallfasten nicht mit dem Jojo-Effekt rechnen.

Man muss definitiv nicht jeden Ernährungstrend mitmachen, aber gerade beim Intervallfasten bin ich ein Fan, denn es geht nicht nur ums Abnehmen. Es geht um eine Ernährungsumstellung und darum, jeder einzelnen Zelle etwas Gutes zu tun. Du musst dich selbst dabei gut fühlen und durch das „Fasten-High“ mit Serotonin wirst du dich durch das Fasten besser fühlen. Probier es doch mal aus!

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Bjarna Liv Lakämper
Ich bin Medizinstudentin aus Düsseldorf und ich schreibe über Ernährung, Sport und Gesundheit. Mit diesen Themen beschäftige ich mich schon lange, nicht nur aufgrund meines Studiums, sondern auch, weil ich aus dem Leistungssport komme. Ich bin ein sehr aktiver Mensch, ich mache nicht nur selbst Leichtathletik, sondern helfe auch beim Training der Jugend im Verein und habe ehrenamtliche Engagements. Mir persönlich ist ein gesunder Lebensstil wichtig, aber auch die Ausgewogenheit im Alltag. Aktuell helfen mir dabei kreative Aufgaben und die Verbindung zur Natur! Ich und das ganze Eatearnity-Team freuen uns auf eure Fragen und Anregungen an hello@eatearnity.com.

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